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Die Archäologische Freilichtanlage in Güglingen wird eingeweiht

Am 13.9. wird der Öffentlichkeit vorgestellt, was mittlerweile hinter Feuerwehr und Bauhof entstanden ist. Die Römermetropole im Zabergäu erhält eine neue Attraktion: Eine archäologische Freilichtanlage im Industriegebiet Ochsenwiesen/Steinäcker zeigt die Reste der großen römischen Siedlung, die hier von ca. 120 bis 250 n. Chr. existierte. „Die Anlage wird eine zusätzliche Bereicherung für Güglingen und seine römische Vergangenheit sein. Sie ist unser Aushängeschild an der Umgehungsstraße, die hier am sogenannten ,Südlichen Stadttor’ vorüberführt“ sagt Bürgermeister Klaus Dieterich. Den Kern der Freilichtanlage am historischen Fundplatz bilden das Mithräum II und ein römischer Steinbrunnen. „Wir wollten allerdings keinen Freiland-Ersatz für die Darstellung der Originalfunde im Römermuseum schaffen, sondern am authentischen Fundort ein weiteres Standbein gestalten, das eine ergänzende Funktion hat“, so Enrico De Gennaro, der Leiter des Güglinger Römermuseums. So wird der Besucher beispielsweise einen Sieben-Stationen-Weg zur Anlage hin ablaufen, der ihm Schritt für Schritt die sieben Weihegrade in der Mithras-Religion näherbringt, bis er dann vor dem Heiligtum dieses antiken Männer-Geheimkultes steht. Dort sind auf Initiative des Güglinger Gemeinderates schon frühzeitig die Originalmauern erhalten und konserviert worden. Besonders beeindruckend ist die hölzerne Zimmermannskonstruktion, die das Gebäude wieder dreidimensional so zeigt, wie es zuletzt Bestand hatte. Sie konnte u.a. durch großzügige Spenden von Dr. Elisabeth Schömer aus Brackenheim und Dr. Dietrich Wintterlin aus Güglingen fachmännisch durch die Güglinger Zimmerei Gerhard Wörz verwirklicht werden. Sogar auf die seitlichen hölzernen Liegepodien kann der Besucher gehen und erahnen, wie hier die Gläubigen in römischer Zeit einst geheime Rituale und ihr gemeinsames Kultmahl begangen haben. Doch daneben war es Enrico De Gennaro ein besonderes inhaltliches Anliegen, dem Besucher vor Ort auch nicht mehr Sichtbares zu verdeutlichen: „Das römische Siedlungsgefüge und seine Ausrichtung unterscheiden sich völlig von der heutigen Situation, außerdem war das Gelände eher kleinteilig parzelliert.“ So wurden auch zwei Straßenzüge wieder im Gelände angedeutet und zwei der schmalen „Streifenhäuser“, aus denen die Siedlung durchgängig bestand. Die Häuser lagen auf akkurat eingeteilten, langen und schmalen Grundstücken, die eingezäunt waren. Hinter den Häusern befanden sich beispielsweise Brunnen oder Latrinen. Ein 8 Meter tiefer Steinbrunnen, den man nach der Grabung unterirdisch erhalten hat, wurde vom Güglinger Steinmetz Jürgen Wütherich gesichert und oberirdisch wieder aufgemauert. Heute ist der Brunnen mit einer authentischen, holzschindelgedeckten Überdachung versehen, für deren Bau ebenfalls die Zimmerei Wörz verantwortlich zeichnete. Das Grundstück, zu dem der Brunnen gehörte, wurde mit einem Weidenrutenflechtwerkzaun eingezäunt, wie man ihn sich auch zur Römerzeit vorstellen kann. In der Parkanlage befinden sich übrigens nur Pflanzen, die nachweislich auch im römischen Güglingen gewachsen sind. Rund 800 verschiedene Pflanzenarten wurden aus den Proben analysiert, die man bei der Ausgrabung vor einigen Jahren beispielsweise aus Brunnen oder Latrinen entnommen hat. Entstanden ist somit eine herrliche Wildblumenwiese, die von Baumgruppen aufgelockert wird. Eine Sitzgruppe überblickt das Gelände und lädt zum Verweilen ein. Die eher abweisend erscheinende Ostwand des Bauhofes liegt den Gemeinderäten allerdings noch schwer im Magen. Die ursprüngliche Idee von Enrico De Gennaro war, hier ein großflächiges Siedlungspanorama aufzubringen, das als ein „Fenster in die Vergangenheit“ die Anlage zusätzlich didaktisch unterstützt und den Besucher noch intensiver in die Römerzeit eintauchen lässt. Es soll den Blick fortführen auf eine ausgestaltete perspektivische Ansicht der Siedlung und mit verschiedenen Lebensbildern den Alltag vor 1800 Jahren illustrieren. „So etwas hat man bislang nur einmal in der Schweiz verwirklicht, wo es beständig wahre Begeisterungsstürme hervorruft“, sagt De Gennaro. Bürgermeister Klaus Dieterich hegt angesichts der derzeit angespannten Haushaltslage allerdings nur eine Hoffnung: „Wir können dieses Vorhaben nur durch die tatkräftige Unterstützung von Sponsoren verwirklichen, die wir hiermit gerne einladen möchten, sich gemeinsam mit uns an dieser äußerst repräsentativen Stelle zu engagieren.“
Tag des Offenen Denkmals
Am Sonntag, den 13.09.2009, dem bundesweit stattfindenden „Tag des Offenen Denkmals“, wird die Anlage um 11 Uhr offiziell durch Bürgermeister Klaus Dieterich eingeweiht. Im Anschluss daran sowie um 13, 15 und 17 Uhr finden Führungen durch den Museumsleiter des Römermuseums in der Anlage statt. Die Veranstaltung wird von 11 – 18 Uhr durch den Sportschützenverein Güglingen reichhaltig bewirtet. Für Besucher besteht eine fuß­läufige Anbindung über die Emil-Weber-Straße. Öffnungszeiten: Die Freilichtanlage kann ganzjährig besichtigt werden, der Eintritt ist frei.