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Geschichte zum Anfassen - Das Römermuseum öffnet seine Pforten

Am 27. April öffnet das Römermuseum am „Tag der offenen Tür“ zum ersten Mal seine Pforten für die Öffentlichkeit – damit ist nach nur zweijähriger Planungs- und Umbauphase ein Museum entstanden, das in der Umgebung nach seinesgleichen sucht. Das liegt vor allem an der Umsetzung der Präsentation der römischen Funde aus dem Zabergäu. „Wir wollten von Anfang an ein Museum, das sich von anderen unterscheidet“, erklärt Enrico De Gennaro, Archäologe. Er und Markus Ege sind verantwortlich für die Planung und Präsentation der Ausstellung. Die außergewöhnlichen Funde, die in den Gebieten in und rund um Güglingen gemacht werden konnten, sollten nicht einfach in einer Aneinanderreihung von Vitrinen untergebracht werden: Viel wichtiger sei das Anfassen, das Erleben der Geschichte des römischen Güglingen: Aus diesem Grund finden sich hier viele 1:1-Installationen und -nachbildungen, in denen die Exponate integriert sind und Modelle, wie das des Badegebäudes, das den römischen Badezyklus nachvollziehbar macht. So kann sich der Museumsbesucher im wahrsten Sinne des Wortes „ein Bild“ vom damaligen Leben, von den Bräuchen und Kulten machen. Thematisch ist das Museum in drei Komplexe unterteilt, die in den drei Stockwerken präsentiert werden. Der erste Themenkomplex im Erdgeschoss führt den Besucher in das römische Leben ein: „Wir haben die Einführung allgemein gehalten, weisen aber immer auf das spezielle, also auf Güglingen und das Zabergäu hin“, erklärt De Gennaro. Verkehrs- und Handelswege gehören hierzu, aber auch die Nachbildung eines römischen Steinkellers mit Amphoren, die in Güglingen gefunden wurden. Dieser ist auch das Bindeglied zum ersten Obergeschoss: Das widmet sich ganz dem Güglinger „Vicus“: Das Privat- und Geschäftsleben der Römer wird hier dargestellt. Im 2. Obergeschoss wird es geheimnisvoll: Entsprechend der Thematik – Götterwelt und Religion – werden die Hausheilig-tümer in kleinen Winkeln präsentiert und auch die Staatsgötter haben hier ihren Platz. Dort befinden sich auch die beiden „Goldstücke“ des Museums: Die Herkulesstatue und das Mithräum sind sehr außergewöhnlich und selten gut erhaltene Funde. Die Herkulesstatue zeigt eine Episode aus seiner Kindheit, die den ruhmvollen Taten des Herkules`, Gott des Handels und Verkehrs, voranging: Zu sehen ist, wie er im zarten Alter von 8 Monaten zwei Schlangen erlegte. Die auf der Statue dargestellte mythologische Szene ist in dieser Kombination einzigartig und macht den Herkules nicht nur zum Wahrzeichen des Museums, sondern für ganz Güglingen. Das Mithräum – ein Tempel des Mithras-Kultes – ist von der Fundstätte in das Museum „versetzt“ worden: Hier kann der Besucher den geheimnisvollen Riten der Anhänger des Kultes lauschen und anhand der Fundstücke deren sieben Initiationsstufen nachvollziehen. De Gennaro ist zuversichtlich, dass das Museum ein Erfolg wird: „Jeder kann sich der Geschichte auf seine Art nähern, durch die thematische Geschlossenheit kann jeder Bereich einzeln nach Belieben besichtigt und erlebt werden.“