Milch und Obst für wenig Geld! - Das Tafelmobil bringt Lebensmittel ins Zabergäu
Tim hat Hunger. Mittagessen gab’s schon vor zwei Stunden. Jetzt ist ein Joghurt gerade recht. Ein Blick in den Kühlschrank – schade, seinen Lieblingserdbeerjoghurt hat Schwesterchen Lea schon verputzt – na ja, dann isst er heute halt ’mal Aprikose.
Für Tim und seine Familie sind ein gut gefüllter Kühlschrank und tägliche Obstportionen eine Selbstverständlichkeit. Aber es geht auch ganz anders.
Ein Personenkreis von 1379 Menschen zählt laut einer Studie der Evangelischen Fachhochschule Ludwigsburg in den Gemeinden Brackenheim, Cleebronn, Güglingen, Pfaffenhofen und Zaberfeld zu den Bedürftigen, die laufend Unterstützung zum Lebensunterhalt erhalten.
Matthias Rose, Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Brackenheim, kennt ihre Probleme aus der täglichen Beratungsarbeit: „Wenn das Geld knapp ist, wird gerade bei der Ernährung gespart.“ Steigende Energiekosten und höhere Preise für frische Nahrungsmittel wie Milchprodukte oder Obst bringen Einkommensschwache in Existenznot. Dazu gehören nicht nur Hartz IV- oder Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose, Alleinerziehende und kinderreiche Familien – auch immer mehr Rentner und Familien mit geringem Einkommen sind betroffen.
Die „Tafel“ ist vielen bislang allenfalls aus Fernsehreportagen bekannt. Gemeint sind Verkaufsräume, in denen Lebensmittel zu sehr günstigen Preisen weitergegeben werden. Von Unternehmen gespendet, von ehrenamtlichen Mitarbeitern sortiert und verkauft – an Menschen, die bedürftig sind. Eine solche „Tafel“ ist in vielen größeren deutschen Städten zu finden, so auch in Heilbronn. Hier hat die Kreisdiakonie ein Projekt aufgebaut, dem sich die Diakonische Bezirksstelle Brackenheim nun anschließt.
„Diese Menschen können nicht für eine Tasche voller Lebensmittel nach Heilbronn fahren – deshalb kommt unser ‚Tafelmobil‘ zu ihnen“, erläutert Pfarrer Jörg Kohler-Schunk die Initiative.
Es ist geplant, das Tafelmobil in Kürze zu starten. Die Standorte sind schon festgelegt. Das Tafelmobil wird beim evangelischen Konrad-Sam-Gemeindehaus und beim ehemaligen Feuerwehrmagazin in Güglingen Halt machen. Die angebotenen, gespendeten Lebensmittel stammen aus Überproduktionen, sind falsch etikettiert oder wegen einer beschädigten Verpackung im Handel schlecht verkäuflich. Die Qualität der Waren ist stets einwandfrei, das Haltbarkeitsdatum nicht überschritten. Für einen Unkostenbeitrag – etwa ein Drittel des Discounterpreises – werden die Waren, die im Zentrallager der Kreisdiakonie Heilbronn in Flein gesammelt werden, im Tafelmobil an Bedürftige weitergegeben.
Einkaufen kann beim Tafelmobil jedoch nur, wer ein geringes Einkommen nachweisen kann. Ein entsprechender Ausweis ist bei der Diakonischen Bezirksstelle Brackenheim erhältlich.
„Das Tafelmobil kann kein Ersatz für staatliche Leistungen sein. Es ist ein zusätzliches Hilfsangebot!“, so Matthias Rose.
Das Tafelmobil steht also in den Startlöchern, jetzt fehlen noch Fahrer und Menschen, die die Lebensmittel in Flein sortieren. Die Diakonische Bezirksstelle freut sich, über die dringend erforderliche ehrenamtliche Unterstützung.