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Wände voller Kostbarkeiten. Aus »Zabergäu – Kunst, Kultur und Kulinaria«

Schritte hallen über den glänzenden Parkettboden. Beim Gang von einem Saal in den nächsten gibt es im 1753 erbauten Bönnigheimer Schloss kostbare Stuckdecken zu sehen. Kein Mobiliar weist auf die einstigen Bewohner hin. Stattdessen bleibt der Blick frei, um die Kostbarkeiten an den Wänden zu bewundern.
Das imposante Gebäude ist nicht nur als spätbarocker Bau eine Augenweide, in den Räumen wird eine unvergleichliche Sammlung Naiver Kunst und Art Brut gezeigt. Einen Schwerpunkt bilden die Maler der heiligen Herzen, also die französischen Klassiker dieses Malstils, wie Séraphine Louis, Henri Rousseau, Camille Bombois, André Bauchant und Louis Vivin.
„In der Zimmerflucht im ersten Stockwerk des Schlosses ist jeder Raum einem anderen Maler gewidmet“, sagt Kunsthistorikerin Cynthia Thumm. Ihre frühere Chefin, die Galeristin Charlotte Zander, hat über 60 Jahre diese Kunstsammlung aufgebaut. Es war ihr Lebenswerk. Rund 4500 Exponate hat sie zusammengetragen. Charlotte Zander hat früh die Qualität der Arbeiten erkannt und begann unabhängig vom Zeitgeist bereits in der Mitte der 1950er Jahre, Naive Kunst zu sammeln, die zeitgleich mit der klassischen Moderne entstanden ist. Später hat sie ihre Sammlung auf Outsider Art und Art Brut erweitert, die jetzt im zweiten Obergeschoss des Schlosses zu sehen sind.

Seit 1996 werden diese Gemälde und Skulpturen in dem denkmalgeschützten Schloss gezeigt, das der Stadt Bönnigheim gehört. Nach dem Tod der Kunstsammlerin wurde im Jahr 2015 eine gemeinnützige GmbH gegründet, deren Direktorin die langjährige Mitarbeiterin von Charlotte Zander ist. Die Tochter der Galeristin Susanne Zander führt die Galerie ihrer Mutter weiter und ist zudem ehrenamtlich im Vorstand der Sammlung Zander tätig. So wird der einzigartige Kunstschatz erhalten und weiterhin der Öffentlichkeit auf rund 2000 Quadratmetern zugänglich gemacht.
Neben der Dauerausstellung werden in zwei Sonderschauen pro Jahr besondere Aspekte der Kunstrichtung im Erdgeschoss des Schlosses in den Mittelpunkt gestellt. Die Kunstwerke werden nicht nur ausgestellt, auch ihre Geschichte wird recherchiert und neben biografischen Daten aus dem Leben der Künstler den Betrachtern näher gebracht. Das Bönnigheimer Schloss war vor einigen Jahren sogar Schauplatz für Dreharbeiten für den Film „Seraphine“, der das Leben der Künstlerin Séraphine Louis beleuchtet. Einige ihrer ausschließlich floralen Werke gehören selbstverständlich zur Sammlung Zander.